so oder so


Per aspera ad astra "Non est ad astra mollis e terris via"

(Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen)


Mittwoch

#Corona #COVID-19 #Coronavirus-Erkrankung

Wir sind nur noch Marionetten


Ich bin es so leid, alle halbe Stunde in Radio oder Fernsehen zu hören, wie viele Neuansteckungen, wie viele Tote, wie viele Gesundete zu verzeichnen sind. 

Ich bekomme einen dicken Hals, wenn berichtet wird, wie die Menschen in Altenheimen weggeschlossen werden. Menschen, die nichts anderes brauchen, als Zuwendung von Familie und/oder Freunden. Die ihren einhundertsten (oder egal welchen) Geburtstag nicht mal dort feiern können, weil der Abstand eingehalten werden muss. 

Ich könnte schreien, wenn ich sehe, lese, höre, was in gestressten Vielkinderfamilien abgeht, weil sie sich in ihren engen Wohnungen nicht ausleben können, die Eltern sich teilweise auch nicht mal die Mühe machen, die Kinder sinnvoll zu beschäftigen. 

Ich bekomme einen Kloß in den Hals, wenn ich mir darüber klar werde, wie viele Menschen mit Ängsten und Depressionen nun zu Hause sitzen und noch weniger Sinn in ihrem Leben sehen können. 

Ich fühle mit denen, die in den Kliniken liegen, keinerlei Besuch bekommen dürfen. Wie schwer ist das für Viele, besonders für die, die nie alleine waren, immer jemanden um sich hatten. Ein Fremder im Nebenbett kann da kein Ersatz sein. 

Ich weine für alle die, die überhaupt keine gesundheitliche Versorgung haben, die auf engstem Raum in ihren verdreckten Hütten leben, die nicht mal Wasser zum Trinken, geschweige denn zum Waschen haben. 

Ich fühle mich schlecht, wenn ich an alle die Menschen denke, die niemanden haben, der sich um sie kümmert und frage mich, wie viele Tote werden noch entdeckt, die zu Hause krank waren, verstorben sind, aber niemand es zur Kenntnis nahm, weil es niemanden gibt, den es interessiert. 

Ich bekomme Beklemmungen, wenn ich an all die Sorgen denke, die durch die fehlende Arbeit, durch hilfloses Falschverteilen von Geldern wieder nur die gesponsert werden, die ohnehin immer auf die Füße fallen. 

Ich komme aus dem Wundern nicht raus, dass Fußball wieder gespielt werden soll, aber Golf und Tennis bleibt verboten? 

Ich denke an meine weit über 80jährigen Freunde, die seit Februar in ihrem Ferienhaus in Spanien sitzen, bis vorige Woche nicht spazieren gehen durften, nicht an den Strand, nur einzeln zum Einkaufen, obwohl doch gerade in dem Alter die gegenseitige Unterstützung besonders wichtig ist. Mehrfach wurde schon ihre Rückreise verschoben, nun erst mal auf Ende Mai.

Ich habe nicht alles aufgezählt, was mir so durch Kopf und Herz schießt, doch ein wenig Luft musste ich mir da mal machen.
Mir ist es egal, ob es mich erwischt oder nicht. Ich lebe in dem Glauben, das alles vorbestimmt ist, also auch der Tag des Todes, der Verlauf einer Krankheit. Habe immer gesund gelebt und bin so krank geworden…wer hätte das gedacht. 
Also warte ich einfach meine Zeit ab, beschäftige mich, versuche, ein wenig Andere aufzumuntern und hoffe so sehr, dass wir nicht immer mehr zum Spielball einiger Weniger werden, denen nichts heilig ist. 

floravonbistram im Mai 2020



Donnerstag

#Corovirtuale "Va pensiero" ("Nabucco" di G. Verdi) - International Opera Choir

https://www.youtube.com/watch?v=JTVXEGIS3LE&feature=youtu.be&fbclid=IwAR0i3d419F4tdFyYPb7Mf3F8hL6atNGjog4HQwePUQW1bMfMFh_bVL7y0DU



Diese wunderbare Arbeit wurde vom International Opera Choir aus Rom erstellt: Project Manager Raffaella Baioni, Dirigent M° Giovanni Mirabile.
Raffaella hat jedes Chormitglied den eigenen Beitrag mittels Smartphone auf eine Grundlage aufnehmen lassen, die von einem Choristen stammt, der gleichzeitig auch Tonmeister ist. Die Aufnahmedateien wurden dann in einer bewunderswerten Montagetechnik zusammengeschnitten und.. das ist das Ergebnis!
Wenn dir diese bewegende und mitreißende Interpretation so gefallen hat, wie mir, teile sie bitte mit allen deinen FreundInnen. Ich bin der Meinung, sie ist es absolut wert!!


Freitag

#Corona #Quarantäne #Klatschen für Einsatz? #NeueWelt

März 2020

Da wird applaudiert für die, die Dienst am Menschen tun....
ein Grund, sich zu schämen.
Alle die, die in pflegenden, helfenden Berufen 
am und mit Menschen, für Gesundheit und Sicherheit,
für Sauberkeit und und Hygiene arbeiten sind doch die Angeschmierten. 
Sie ackern und ackern und dann wird nur geklatscht???

Wo ist die finanzielle Besserstellung, 
wo ist die Entschädigung für unendliche Überstunden.
Wo ist Gefahrenzuschlag?

Ich schäme mich, wenn da die Politiker mit ihren dicken Gehältern stehen 
und in die Hände klatschen. Das macht man auch, um Hühner zu scheuchen.

Peinlich, unerträglich!







In der vertrauten Welt sind wir eingeschlafen
Wir hatten alle Bequemlichkeiten und lebten mit den technischen Errungenschaften,

Wir sind nun in einer anderen Welt aufgewacht.
🦠🦠🦠⛔😷

Und plötzlich fehlt Hollywood die Magie,
Paris ist nicht mehr romantisch
 New York nicht faszinierend.
Die chinesische Mauer ist keine Festung
und Mekka ist leer.
Umarmungen und Küsse mutieren zu Waffen
und unterlassene Treffen mit Familie und Freunden
werden zur Liebeserklärung.

Schnell wird uns klar, dass Macht, Schönheit und Geld wertlos sind,
weil wir damit die Gesundheit nicht bezahlen können.

Die Natur entwickelt sich weiter...
Die Welt ist unverändert wunderschön....
nur die Menschen sitzen im Käfig ❗

Unsere Mutter-Erde hat uns eine Nachricht geschickt:

DU BIST ÜBERFLÜSSIG !

ICH, MEIN WASSER, DIE LUFT, DER HIMMEL
KOMMEN OHNE DICH WUNDERBAR AUS.

WENN DU ZURÜCK KOMMST VERGISS NICHT
DU BIST MEIN GAST....

ABER NIEMALS MEIN HERRSCHER


Quarantäne



Sonntag

#Abstellgleis #Altenheim




Abstellgleis Altenheim

Wie kleine Streichholzschachteln in der Großpackung eng aneinander liegen, so reihen sich die Aubewahrungsbehälter, Zimmer genannt, in den Altenheimen in die gewünschten Formationen, in denen die alten Menschen verwahrt werden, denen das Geld für Besseres fehlt, verwahrt wie die Milchzähne der Kinder...
Wie die Milchzähne der Kinder?
Nein, hier müssen ja die Insassen noch Beachtung erhalten, müssen essen und trinken, brauchen Pflege. Die bekommen sie, genau abzuhaken und zu dokumentieren in dem Katalog der Verrichtungen, die in Minutentakte eingeteilt wurden.
Seelische Bedürfnisse stehen nicht in den Listen, stehen in keiner Preiskategorie, also gibt es sie nicht.
Die Überflüssigen werden einsortiert, oft auch zu Zweit. Zu Zweit werden Menschen verwahrt, die ihr Leben schon jahrelang alleine oder mit einem geliebten Menschen zusammen verbrachten.
Herausgerissen aus dem Vertrauten müssen sie sich nun mit den Geräuschen und Gerüchen einer ihnen völlig fremden Person auseinander setzen. Begehren sie auf, gibt es ja genügend Möglichkeiten, aus Fläschchen oder Dosen, aus Folie oder als Brei das Verhalten der "Aufrührer" dem gewünschten Schachtelprinzip anzupassen, Sedierung und ein besonders "schönes" Wort ist das Wort Fixierung, mitunter ohne Gerichtsbeschluss, mitunter mit einem solchen, der im Schnellverfahren erwirkt wurde, durch falsche Darstellung der Gegebenheiten.
Umgeben mit der Massenware Bett, Stuhl, Schrank, Tisch, ein Bild an der Wand, versuchen dann diese Individuen sich ihr Ichsein zu bewahren, es heraufzubeschwören. Wer kann, verlässt seine Schachtel und irrt durch die Flure, an deren Wänden sich die Stühle und Sessel reihen, aus denen die Einheitsblicke ohne Lichtfunken, leer und nicht mal mehr voller Verzweiflung, durch das Nichts starren.
Laute harte Betreuer- Stimmen herrschen an, fordern und wirken bedrohlich auf die sich nun schüchtern Duckenden. Hastig stopfen viel zu wenig überforderte Pfleger/innen den dazu nicht mehr Fähigen den undefinierbaren Brei in die Münder, die oft mit kundig hartem Griff geöffnet werden. Es wird nachgeschoben, obwohl der Brei noch nicht geschluckt werden konnte, denn der Löffel war viel zu voll.
Wunde Seelen, aber auch wunde Körper. Alter, festangetrockneter Schmutz in Körperfalten, ungewaschen, unrasiert, ungekämmt, wundgelegen und nun schwärende offene Wunden, besonders an den empfindlichsten und intimsten Stellen.
Die Uhren ticken immer lauter, die Verrichtungen werden immer hastiger abgeleistet...
Dann werden die kleinen Schachteln geschlossen, die Lichter gelöscht, ohne Rücksicht auf das Einzelbedürfnis eines jeden Bewohners.
Abgelegt, abgehakt, Feierabend...nur die eine Nachtwache stellt sich ein, schläft über ihrem Kreuzworträtsel ein, hört nicht, wie still ein Leben zu Ende geht...
so ist das in Schachtelhausen eben.
Ich möchte schreien, doch ich kann nur noch weinen, weinen um Menschen, denn es sind und bleiben Menschen bis zum letzten Atemzug.

floravonbistram

Nachtrag: Ja, es gibt auch Altenheime, die sich um die Menschen bemühen und auch viele bemühte Menschen, die versuchen, zu pflegen. Ja, ich weiß, dass es viel zu wenig Pfleger für viel zu viele zu Pflegende gibt.
Ich bin froh, dass es mir möglich war, meine alten Verwandten in unserem Haus zu pflegen und sie auf dem letzten Weg begleiten zu können.
Aber Fakt ist:
Mehr als 71 Millionen Deutsche sind durch die soziale Pflegeversicherung abgesichert, weitere 9,36 Millionen haben sich für eine private Pflegeversicherung entschieden. 3,1 Millionen Menschen erhalten jeden Monat Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung, davon 2,33 Millionen ambulant und etwa 776.000 stationär (Stand: 30. Juni 2017).
Das Jahr 2016 hat die soziale Pflegeversicherung mit einem Überschuss von 1,03 Milliarden Euro abgeschlossen. Die Einnahmen lagen bei 32,03 Milliarden Euro - ein Plus von 3,32 Prozent gegenüber 2015. Die Ausgaben stiegen von 29,01 Milliarden Euro um 6,86 Prozent auf 31,0 Milliarden Euro. Die Pflegeversicherung verfügte zum Jahresende über einen Mittelbestand von 9,3 Milliarden Euro.
Laut einem Zeitungsbericht haben die gesetzlichen Krankenkassen ihre Überschüsse auf 2,5 Milliarden Euro erhöht. Die Rücklagen aller Krankenkassen seien auf den neuen Rekordwert von mehr als 18 Milliarden Euro gestiegen.

Die Fotos wurden von Julia Wiggins Mitte Februar 2019 auf Facebook gepostet. Sie ist die Pastorin der betroffenen Familie. Auf den Fotos ist die 80-jährige Esther Brown zu sehen. Sie ist Bewohnerin des Altercare Nobles Pond in Canton, Ohio, USA.
Bildergebnis für vernachlässigung altenheim
Bildergebnis für vernachlässigung altenheim

Donnerstag

#Franz Kafka #Puppe



Mit 40 Jahren schlenderte Franz Kafka (1883-1924), der nie geheiratet und keine Kinder hatte, durch den Berliner Steglitz-Park, als er ein kleines Mädchen traf, das sich die Augen ausweinte, weil es seine Lieblingspuppe verloren hatte. Sie und Kafka suchten erfolglos nach der Puppe. Kafka sagte ihr, sie solle ihn am nächsten Tag dort treffen und sie würden wieder suchen.
Am nächsten Tag, als sie die Puppe immer noch nicht gefunden hatten, gab Kafka dem Mädchen einen von der Puppe "geschriebenen" Brief, in dem stand: "Bitte nicht weinen. Ich bin auf eine Reise gegangen, um die Welt zu sehen. Ich werde dir von meinen Abenteuern schreiben."
So begann eine Geschichte, die bis zum Ende von Kafkas Leben weiterging.
Als sie sich trafen, las Kafka seine sorgfältig verfassten Briefe mit Abenteuern und Gesprächen über die geliebte Puppe vor, die das Mädchen bezaubernd fand. Schließlich las Kafka ihr einen Brief mit der Geschichte vor, die die Puppe nach Berlin zurückbrachte, und er schenkte ihr dann eine Puppe, die er gekauft hatte.
"Die sieht meiner Puppe überhaupt nicht ähnlich", sagte sie. Kafka übergab ihr einen weiteren Brief, in dem er erklärte: "Meine Reisen, sie haben mich verändert." Das Mädchen umarmte die neue Puppe und nahm sie mit nach Hause. Ein Jahr später starb Kafka.
Viele Jahre später fand das nun erwachsene Mädchen einen Brief in einer unbemerkten Spalte der Puppe. In dem winzigen, von Kafka unterschriebenen Brief stand: "Alles, was du liebst, geht wahrscheinlich verloren, aber am Ende wird die Liebe auf eine andere Art zurückkehren."

Foto: Meine Mutter 1924

Freitag

#Seele #MariodeAndrade




Meine Seele hat es eilig

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, 
dass ich weniger Zeit habe, zu leben,
als ich bisher gelebt habe.
Ich fühle mich wie dieses Kind,
das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat:
die ersten isst es mit Vergnügen,
aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind,
begann es,  sie wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, 
bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren
und internen Vorschriften besprochen werden,
in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr,
absurde Menschen zu ertragen ,
die ungeachtet ihres  Alters nicht gewachsen sind.
Ich habe keine Zeit mehr,
mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.
Ich will nicht in Besprechungen sein,
in denen aufgeblasene  Egos aufmarschieren.
Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.
Mich stören die Neider, die versuchen,
Fähigere in Verruf zu bringen,
um sich ihrer Positionen,
Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz, um Überschriften zu diskutieren.
Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile.
Ohne viele Süssigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben,
die sehr menschlich sind.
Menschen, die über ihre Fehler lachen können,
die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.
Die  sich nicht vorzeitig berufen fühlen
 und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.
Die die menschliche Würde verteidigen
und die nur an der Seite der Wahrheit
und Rechtschaffenheit gehen möchten.
Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben,
die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.
Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten,
durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig,
mit der Intensität zu leben,
die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten,
die mir noch bleiben, zu verschwenden.
Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden,
als die, die ich bereits  gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen,
in Frieden mit mir, meinen  Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt,
wenn du erkennst, dass du nur eins hast.


Ein sehr, sehr schönes Gedicht
von Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945)
Dichter, Schriftsteller, Essayist und Musikwissenschaftler.
Einer der Gründer der brasilianischen Moderne.
________




Dienstag

#Jahreswechsel #DasalteJahr






#Silvester #Neujahr #2020



Verabschiedung und Begrüßung

Und wieder neigt sich
ein Jahr dem Ende zu
und wieder fragen wir uns:
wie wird das Neue werden?
Packen wir zuviel
Wünsche, Träume,
Hoffnungen hinein
und sind enttäuscht,
wenn es anders verläuft?

Nehmen wir es doch
einfach mal so an,
wie es auf uns zukommt...
begrüßen wir das neue Jahr
wie einen guten Freund,
als würden wir es
schon ewig kennen
und lassen uns beschenken...

Denn mal ganz ehrlich,
nur Schlechtes hat uns
noch kein Jahr gebracht!!!

Ich wünsche euch
einen wunderbaren Jahreswechsel
und ein glückliches 2020





Montag

#StilleNachtHeiligeNacht #Weihnachten



Ich wünsche euch mit meinem Video 
ein wunderschönes Weihnachtsfest



Offen sein für den Anderen
eine sanfte Hand reichen,
denen, die nicht wagen, 
um Hilfe zu bitten.
Liebe leben,
denn nur das kann
zum Frieden führen

Eine gesegnete Zeit

Eure Flo

Sonntag

#FroheWeihnachten


Frohe Weihnachten


Kurz durchatmend bleibe ich vor Zimmer 211 der Kinderonkologie stehen.
Wie viele Male habe ich hier schon wie viele Stunden verbracht?
Hände gehalten, Tränen getrocknet, Geschichten vorgelesen. Immer wieder berührt von der Stärke dieser sterbenden Kinder, erschüttert von dem Leiden und selber getröstet von der Sicherheit dieser kleinen Patienten, in denen das Wissen um den baldigen Abschied fest verankert ist.

Das Zimmer von Patrick. Leise trete ich ein, um ihn nicht zu wecken, falls er schläft.
Er liegt allein, denn viele Kinder dieser Station wurden nach Hause geholt.
Es ist Heilig Abend, zwar erst Mittag, aber der kleine Junge hat nicht mehr lange zu leben. Für viele das letzte Fest in ihrem kurzen, schmerzreichen Leben. Wer nicht transportfähig ist, hat nun seine Lieben am Bett, umgeben von Geschenken, Lichterglanz im Zimmer und in den Augen.
Nicht so hier
Sicher, auch dieses Zimmer ist geschmückt.
Aber Patrick ist allein. Seine Eltern gaben ihn schon auf, als er 2 Jahre alt war.
Er kennt keine liebevollen Elternarme, die ihn umschließen. Sein Zuhause war das Kinderheim St. Antonius.
Ich mache diese Sterbebegleitung, um ein kleines Licht in dieses Leben zu bringen, um es wenigstens zu versuchen.
Da liegt er, 5 Jahre alt. Die Wangen unnatürlich gerötet, tiefe Schatten um die Augen.
Ich stelle den kleinen Weihnachtsbaum auf den Nachttisch, zünde eine Kerze an, drapiere den bunten Teller, ein kleines Plüsch-Rentier und ein Buch drum herum 
Er ist wach und lächelt.
Als ich mich zu ihm setze, den kleinen ausgezehrten Körper in die Arme schließe, kuschelt er sich ganz fest an mich ran. Ich wusste, dass du kommst!“ Ganz schwach ist  die Stimme.
Ich weiß, dass es nicht mehr lange dauern wird, dann ist seine Erdenreise zu Ende.

Schau Patrick, ich habe dir ein Buch mitgebracht. Ich habe es nur für dich geschrieben.“
Wie für meine Kinder und Enkel schrieb ich auch für ihn immer Geschichten.
 Der kleine Sternenjunge und sein Weihnachtsfest“Ich las langsam und wir schauten die Bilder an.Die Geschichte vom Sternenjunge, der seine letzte Reise mit dem Rentierschlitten macht und liebevoll von den Engeln in Empfang genommen wird.
Das wird sehr schön werden“ ein schwerer Atemzug hebt seinen kleinen Brustkorb.
Schwester Vera ist kurz im Zimmer- Puls, Apparate, den Tropf kontrollieren. Auf meinen fragenden Blick ein bedauerndes Kopfschütteln.
In den Armen hält Patrick nun das kleine Plüschtier. Ich singe für ihn > Am Weihnachtsbaume< Seine Augen sind geschlossen. Ein Beben geht immer wieder durch das kleine Wesen.
 >Zwei Engel sind herein getreten, kein Auge hat sie kommen sehn. Sie gehn zum Weihnachtstisch und beten und wenden wieder sich und gehn<
Ich halte innePatrick liegt ganz ruhig in meinem Arm. Ein Lächeln im Gesicht. Er atmet nicht mehr.
Ich brauche sicher zehn Minuten, um endlich die Klingel zu drücken und die irdische Hülle den Schwestern übergeben  zu können.
Wieder auf dem Parkplatz, den ich wie in Trance erreiche, meine ich, eine kleine Glocke zu hören, sehe das kleine lächelnde Gesicht vor mir 
ein Engel ist heimgekehrt 
              
                            *

                  FROHE WEIHNACHTEN

floravonbistram

Dies Foto entstand am selben Tag, als der kleine Junge heimging

Mittwoch

#11.September #9/11 #WorldTradeCenter #Anschlag



An diesem Abend vor 18 Jahren gingen 246 Menschen schlafen, bereit für ihren Flug am nächsten morgen. 2.606 Menschen gingen schlafen, um am nächsten morgen auf die Arbeit zu fahren. 343 Feuerwehrleute schliefen ein, bereit für ihre Frühschicht am nächsten morgen. 60 Polizisten gingen schlafen, ebenfalls bereit für ihre Frühschicht am nächsten morgen. 8 Sanitäter gingen schlafen, auch sie waren bereit für ihre Frühschicht am nächsten Tag.

Keiner von ihnen hat nach 10:00 Uhr am 11. September 2001 noch gelebt.

Was soll uns das sagen. In einem einzigen Moment ist das Leben vielleicht nie wieder dasselbe. Alles kann sich von einem zum nächsten Augenblick verändern und alles was Dir je was bedeutet hat, kann für immer Weg sein.

Küsse die Menschen, die du liebst und kuschle dich ein wenig näher an sie heran, während sie friedlich neben dir, denn morgen schon kann ganz plötzlich alles anders sein. Nimm keine Sekunde Deines Lebens als selbstverständlich an. Vor allem, nimm die Menschen um dich herum nicht als Selbstverständlich an, denn man weiß nie, wann man jemanden das letzte mal sehen, küssen oder umarmen kann.

Darf gerne geteilt werden.


Quelle: Kathleen Donahue

Bild könnte enthalten: Wolken, Himmel, Wolkenkratzer und im Freien

Donnerstag

#Sommersinfonie #Melyanna #EluThingol #Liebe #Verliebt #Kurzgeschichte

Sommersinfonie

Er sah ihr einfach nur entgegen, unbeweglich an den Baum gelehnt, die Wange an ihn geschmiegt, so in der Silhouette fast eins mit dem Stamm, unkenntlich das Gesicht im Schatten, doch die brennenden Augen leuchteten. Hier hatte er immer auf sie gewartet, hier, wo er sie das erste Mal gesehen hatte, als er glaubte, einem Spuk zu begegnen.
Erst vier Wochen war es her, dass sich sein Leben so unglaublich verändert hatte.
Wieder einmal war er völlig genervt gewesen von der schrillen Stimme seiner Frau, die ihn beim Heimkommen von seinen wichtigen Außendiensttätigkeiten nur noch mit Ausrufen „woher so spät, warum so schweigsam, du betrügst mich, du bist immer nur müde“ und ähnlichen Ausbrüchen umringte, dass er es nun nach so vielen Jahren nicht mehr ertrug, seine Jacke schnappte und fluchtartig das Haus verließ.
Aufatmend lief er in der beginnenden Abenddämmerung zum nicht weit entfernten Wald, tief den würzigen Duft der Felder und Wiesen, die Geräusche des Waldes aufnehmend, um an einem Baum, den er als den seinen schon seit Jahren erkoren hatte, stehen zu bleiben und den Blick über die Lichtung schweifen zu lassen, die einen schmalen Spalt zum Firmament freigab, durch den er die letzten Himmelsmalereien des Sonnenuntergangs bewundernd aufnehmen konnte, bevor auch das letzte Sonnenlicht sich der hereinbrechenden Nacht beugen musste.
Er zuckte zusammen, glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als er plötzlich eine zarte Gestalt im hellen Mondschein durch das Gras tanzen sah. Mit ausgebreiteten Armen, den Kopf in den Nacken gelegt, das in diesem Licht ätherisch anmutende Gesicht dem Himmel zugewandt, drehte sie sich im leichten Nachtwind, dass die langen Haare sie wie duftige Schleier umschwebten, zu einer entzückend geträllerten Melodie.
Starr vor Bewunderung, erstaunt über das heftig klopfende Herz, stand er wie verwachsen mit dem Wald, voller Angst, sich zu bewegen, um den süßen Spuk nicht zu verscheuchen oder unsanft aus einem Traum zu erwachen.
Wie Schmetterlingsflügel bewegten sich nun ihre Arme, bevor sie ganz plötzlich Anlauf nahm, um dann Rad schlagend die kleine Wiese einzunehmen, biegsam wie eine Gerte, leicht wie ein Vogel, dabei immer wieder ein glückliches „Hey“ ausrufend und von Zeit zu Zeit stehenbleibend, um das federleichte Gespinst von Kleid wieder zu ordnen.
Eine winzige Wolke schob sich vor den Mond und verdunkelte den Schauplatz in Sekundenbruchteilen und als sich dieser wieder erhellte, war der Spuk vorbei.
Er löste sich von dem Platz, sein Blick schweifte suchend umher, voller Schmerz und Trauer, als hätte er einen sehr schweren Verlust erlitten.
„Kleine Melyanna“, flüsterte er heiser, „wo steckst du denn?“
Der Name war ihm spontan aus Tolkiens Büchern eingefallen, er bedeutete Liebesgeschenk.
Sein Mund war trocken, sein Puls erhöht, er fühlte sich wie einst der Junge, der heimlich mit den Freunden bei den Mädchen in der Badeanstalt in die Umkleidekabinen geschaut hatte. Doch es wurde schlimmer, denn es bemächtigte ihn eine Unruhe, die er kaum einordnen konnte, ihm wurde heiß in der Erinnerung an die Erscheinung, die sicher kein Traum gewesen war, denn sein Blut wallte und ein Sehnen ergriff Besitz von ihm, wie er es noch nie in seinen nun dreiundfünfzig Lebensjahren gefühlt hatte.
Immer noch am Lichtungsrand entlanggehend, die suchenden Blicke durch Gras und Bäume schickend, bewegte er sich voller Bedauern, aber auch erfüllt von einem unermesslichen Glücksgefühl, in Richtung Straße, um dann nach Hause zu gehen.
Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er ein schlechtes Gewissen, als er seine Frau auf dem Sofa eingeschlafen vorfand, bekleidet mit ihrer schlabberigen Jogginghose, die Haare seit ein paar Jahren kurz geschnitten, „ist praktischer“,
selbst jetzt im Schlaf den ewig unzufriedenen Zug um den Mund und er hörte fast schon wieder ihre Stimme, die ihn seit Jahren quälte.
Er hätte sich gleich scheiden lassen sollen, als sie ihn betrogen hatte, doch er hatte sich von ihren Tränen und Versprechungen überreden lassen, es noch einmal miteinander zu versuchen, was sich im Laufe der folgenden Jahre als schwerer Fehler herausstellen sollte, denn wenn sie ohne ihn zu Feiern oder Feten ging, ließ sie sich gerne als einsame Frau trösten. Er konnte seinen Beruf nicht an den Nagel hängen, er war nun mal selbstständig, war sein eigener Außendienstler, immer gewesen und liebte seinen Beruf, die kleine Firma, die schon sein Vater betrieben hatte, liebte die alte Dame, die die Büroarbeiten schon seit über fünfzig Jahren erledigte, wie eine Mutter, hatte es aber in über dreißig Jahren Ehe nicht geschafft, seine Frau, die nie einen Beruf gelernt hatte und meinte, auch keinen zu brauchen, für die Firma zu interessieren, sie einzuarbeiten, um eine Nachfolgerin aufzubauen, wenn seine zuverlässige Angestellte nicht mehr arbeiten wollte oder konnte. Nein, seine Frau interessierte sich nur für das Geld, das er verdiente, seit sie das Kind, von dem er nicht genau wusste, ob es seins war, durch einen Unfall verlor.
Als er vor Jahren von Scheidung sprach, drohte sie mit Selbstmord und er sprach das Thema nie mehr an.
Doch verlief sein Leben nicht eintönig, da die Fahrten durch Deutschland immer wieder Freude vermittelten, ihm Städte und Landschaften nahebrachten, er mit den Menschen, die er kannte, gute Kontakte pflegte.
Er atmete durch, nahm die Wolldecke, die vom Sofa gerutscht war, deckte seine Frau zu und ging in das Bad. Aufgestützt auf den Waschbeckenrand sah er sich im Spiegel an, verfolgte die feinen Spuren des Lebens, entdeckte einen Glanz in seinen Augen, den er nie vorher gesehen hatte und ein feines Lächeln umspielte die Mundwinkel, zauberte kleine Falten um die Augen und gaben dem Gesicht eine Lebhaftigkeit, die ihn selbst erstaunte.
Der folgende Tag war nur Qual, denn seine Gedanken waren trotz einer traumlos durchgeschlafenen Nacht nicht bei der Arbeit, den Telefonaten, nein, vor dem inneren Auge zog der Zauber der nächtlichen Stunde immer wieder vorbei, verlockte ihn, die Augen zu schließen, um sich Träumen und Wünschen hingeben zu können. Eine einzige Sehnsucht beherrschte ihn, dem Drang nachgeben zu können, wieder zu der Lichtung zu laufen, zu sehen, ob der Wachtraum sich wiederholen würde.

Und endlich brach der Abend an, die fiebrig heiß ersehnte Dämmerung war nah und die weinerliche Stimme seiner Frau, die wieder einmal über die Nachbarin herzog, nicht mehr wahrnehmend, missachtend, verließ er eilig das Haus, seine Füße trugen ihn an den Platz und still verharrend lauschte er, ob er leichte Füße, ein fröhliches Singen auffangen könne, doch alles blieb still, die Stille nur unterbrochen von den Lauten der beginnenden Nacht.
Da, waren das nicht ihre Schritte? Nein, ein Rehbock brach witternd aus dem Unterholz und betrat, immer wieder starr verharrend, die Lichtung.
Zu anderen Zeiten hätte dies den Wartenden zutiefst berührt, liebte er doch den Wald mit all seinem Leben, ja die Natur überhaupt, aber heute war die Enttäuschung übergroß, das heißersehnte Wesen nicht sehen zu können.
Er setzte sich auf den Baumstumpf, in Gedanken die Bilder der vergangenen Nacht heraufbeschwörend, sah die Wolkenfetzen, die den immer noch vollen Mond umspielten, vertiefte sich in die Betrachtung der Sterne, von denen er so gerne mehr wissen wollte, die Zeit es nie zugelassen hatte, sich intensiver damit zu beschäftigen, das Geschäft hatte Vorrang. Bei dem Gedanken nickte er, ja, er hatte sein Leben diesem Geschäft verschrieben, hatte nie nach rechts und links geschaut, nur geradeaus, sorgen für sich und seine Frau, die ihn in jungen Jahren umgarnt und geheiratet hatte, getrieben von seinem ewigen Gefühl, seiner Pflicht auch wirklich nachzukommen, eigene Wünsche und Bedürfnisse außer Acht zu lassen. Es gehörte sich nun mal so, so war er von seinem Vater nach dem frühen Tod der Mutter erzogen worden und er hatte nie versucht, sich aufzulehnen.
Tief durchatmend nickte er und dachte: „Ich will endlich mein Leben leben!“ schreckte im gleichen Moment hoch, erstaunt darüber, dass er es wagte, auch nur an Auflehnung zu denken und merkte dann, dass er es laut ausgesprochen hatte, denn eine leise Stimme antwortete: „Das will ich auch.“
Und da stand sie, klein, zierlich, umflossen von ihren Haaren, die nur mit einem Stirnreif gehalten wurden. Sie war älter, als er vermutet hatte, kein Mädchen mehr, sondern eine reife Frau, die das Funkeln in seinen Augen genoss, seine Hand ergriff, ihn auf die Lichtung führte, um ihn dann in das Gras hinunter zu ziehen. Als er sprechen wollte, legte sie ihm mit einem liebevollen „psst“ ihre Hand auf den Mund, die sie dann aber wegzog, um Platz zu machen für ihre Lippen, die ihn völlig überwältigten und im Wispern des Windes, dem leisen Rauschen des Waldes fanden zwei Menschen sich in einem Reigen voller Sinnesfreude, einer Begegnung der Körper, die in der Zärtlichkeit mit Gefühl den Hunger nach liebevoller Berührung und Vereinigung erkennen ließen.
Er fuhr hoch, war er doch tatsächlich etwas eingeschlafen? Hatte er geträumt, seine Wunschvorstellungen mit in das Abgleiten aus der Wirklichkeit genommen. Er setzte sich auf, fühlte eine leichte Feuchtigkeit und Kühle hochsteigen, erschauerte kurz, um festzustellen, dass er alleine und nackt im Gras gelegen hatte, aber der Haarreif neben ihm, daliegend wie ein Pfand von ihr, bezeugte, dass er alles wirklich erlebt hatte.
Während er sich langsam anzog, huschten Momente durch sein Sinnen, Momente der Lust, der Innigkeit, wie er sie eben erlebt hatte und ihm fiel ein, dass sie nicht einmal voneinander die Namen wussten, geschweige denn mehr, doch er war sich sicher, dieser Traum würde weiter gehen, sie würden sich morgen wiedersehen, hier auf ihrer Lichtung.

Er saß in seinem Auto, straßauf, straßab, kreuz und quer führte ihn sein unruhiges Herz durch die umliegenden Dörfer, umherstreifende Blicke, hoffnungsvoll, das geliebte, von ihm heißbegehrte Wesen zu erspähen, doch umsonst, keine Spur von ihr und so blieb ihm die Hoffnung auf die Nacht und der sorgenvolle Blick zum Himmel, der sich jedoch gleich wieder entspannte, denn der Wettergott war mit ihnen.
Oh mein Gott, wie sehr war er verliebt, nein, das traf es nicht, er liebte, er liebte, wie er es nie zuvor kennengelernt, wie er es auch nie vermisst hatte, denn was man nicht kennt, kann man wohl auch nicht vermissen. Am liebsten hätte er ganz laut gesungen, so übervoll an Glück war er.

Und nun stand er hier wieder, genau wie vor vier Wochen, er sah sie tanzen, wieder tanzen für ihn im Vollmond auf der Wiese, seine kleine Melyanna, wie er sie immer nannte, worauf sie ihn fröhlich lachend als Elu Thingol bezeichnete.
Nacht für Nacht hatten sie sich getroffen, sahen sich an, liebkosten einander, hielten sich in den Armen, doch immer, wenn er Fragen stellte, mehr über sie wissen oder von sich erzählen wollte, verschloss sie mit einem Kuss seinen Mund und schüttelte den Kopf.
Heiße Erregung schoss in ihm hoch, er glaubte, sein Herz müsse vor Liebe zerspringen, ein Gefühl abgrundtiefer Angst erfasste ihn, denn sie hatte gesagt:
“Nur heute tanze ich noch einmal für dich“ und er konnte es nicht einordnen, wie sie es gemeint hatte. Er umklammerte den Baum, die brennenden Augen auf sie geheftet, ihre Bewegungen aufsaugend, um sie für immer festzuhalten, in sich einbrennend, um nie wieder ohne diese Bilder zu sein, ärgerlich wischte er die Tränen ab, die ihm plötzlich in die Augen stiegen…
Und dann war sie verschwunden, weg, einfach so. Er suchte, er rief, er rannte über die Wiese, den Waldrand entlang, entdeckte im feuchten Gras ihren Haarreif, an dem ein Zettel befestigt war, er fluchte, hatte er doch nicht mal ein Feuerzeug dabei, um zu entziffern, was sie schrieb, geschrieben hatte, doch gleich nach Erreichen der beleuchteten Straße glättete er mit bebenden Fingern das Papier.

Geliebter Elu Thingol,
ein Sommermärchen geht zu Ende und ich habe nie, niemals vorher solche Stunden erlebt. Ich nehme sie, trage sie in mir und werde dich fühlen, solange ich lebe.
Such mich nicht, du wirst mich nicht finden, behalt mich im Herzen, in das du mich in unseren Nächten eingeschlossen hast.
Wenn du auf unsere Lichtung gehst, schließ die Augen, sieh mich tanzen, nur für dich und hör in den Stimmen des Waldes, im Rauschen der Bäume, in den Geräuschen der Nacht unsere Sommersinfonie.
Melyanna ist die Gattin von Elu Thingol.

Ich bleibe auf ewig die Deine,
die-der du wieder Leben einhauchtest

floravonbistram

Bild könnte enthalten: Himmel, Wolken, im Freien, Natur und Wasser

Sonntag

Der #Apokalypse-Code

Sehenswerte ARD-SAendung

Kein Text hat unsere Vorstellungen vom Weltende so geprägt wie die Johannes-Apokalypse. Eigentlich heißt Apokalypse "Entschleierung" oder eben "Offenbarung".
Doch das erste Wort des griechischen Originals "Apokalypse" wurde zum Gattungsbegriff für alle Untergangsszenarien. Die Schrift hat Redewendungen geprägt, die noch heute in aller Munde sind.Sie spricht von "vier apokalyptischen Reitern", vom "Buch mit sieben Siegeln", von einem "Tausendjährigen Reich" und "Armageddon", dem Schauplatz des Endkampfes zwischen Gut und Böse. Bis in die Gegenwart hinein werden die rätselhaften Sprachbilder aus der Apokalypse von Warnern, Mahnern und Untergangspropheten aller Art benutzt, um ihren eigenen Spekulationen vom nahen Weltende Geltung zu verleihen.
Namhafte Bibelforscher sind nun dabei, die wahre Bedeutung des Apokalypse-Codes zu entschlüsseln. Für sie enthalten die kosmischen Szenarien Hinweise auf ganz konkrete, irdische Ereignisse, die von den einstigen Lesern des Johannes auch genau verstanden wurden. Die Archäologie der Apokalypse liefert nicht nur den Schlüssel zur Deutung und Datierung des kryptischen Offenbarungstextes, sie lässt auch die Identität ihres geheimnisvollen Verfassers zum Vorschein kommen.
Die Suche auf den Spuren der Apokalypse und ihres Autors führt zunächst nach Patmos. Auf der kleinen Sporadeninsel soll Johannes nach eigenen Angaben - während eines Verbannungsaufenthaltes - seine Visionen erlebt und aufgezeichnet haben. Weitere wichtige Stationen der filmischen Recherche sind das Ausgrabungsgelände von Ephesus in der heutigen Türkei sowie die Papyrussammlung in Wien. Als Experten auf der Suche nach dem Schlüssel zum letzten Buch der Bibel wirken mit: Thomas Söding, Professor für neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum, Manfred Lütz, Leiter des Alexianer-Krankenhauses für psychisch Kranke in Köln, und Elaine Pagels, Professorin für Religionswissenschaften an der Princeton University. Sie alle können von ihrem Fachgebiet her interessante Rückschlüsse auf Autor, Text und Sprachbilder liefern.
Letztlich ist es die Verschlüsselung selbst, die die entscheidenden Hinweise liefert. Die Kodierung des Textes mit rätselhaften und teilweise dem Alten Testament entliehenen Sprachbildern soll Autor und Leserschaft vor Verfolgung schützen. Sie sorgen auch dafür, dass die Johannes-Apokalypse als literarisches Werk universale Bedeutung erlangt und das Verfallsdatum der im Text angesprochenen Ereignisse um Jahrtausende überlebt.
Schlüssel zum letzten Buch der Bibel; Film von Friedrich Klütsch; Erstsendung 03.04.2015
Dokumentation
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#Demenz



Sonntag

#Holocaust #Gedenktag

Heute ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Bahnsteig des Leids

Eine kleine Puppe
verschmutzt und zerfetzt
am Bahnsteig der Züge des Leids

Ein brauner Koffer
mit Namensschild dran
am Bahnsteig der Züge des Leids

Ein grauer Hut
zertreten, verdreckt
am Bahnsteig der Züge des Leids

Ein ängstlicher Mensch
gestoßen, geschlagen
am Bahnsteig der Züge des Leids

Die grauen Schornsteine
sind Wegweiser hier
am Bahnsteig der Züge des Leids

Die Puppe
der Koffer
der Hut
und der Mensch
verwehten im Winde der Zeit

Doch die Schornsteine bleiben
in steter Erinnerung
auch der Bahnsteig der Züge des Leids


floravonbistram 1998

Foto: Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0